Mutterseelengesund – soziale Unterstützung ist wichtig!

Diese Woche steht im Zeichen des World Maternal Mental Health Day. Viele Vereine und Organisationen auf der ganzen Welt fordern mehr Beachtung für die psychischen Gesundheit von Müttern. PsychologInnen sprechen bei der Geburt eines Kindes auch von einem “kritischen Lebensereignis” für die Eltern. Alte Bewältigungsstrategien greifen oft nicht, denn viele Situationen sind einfach völlig neu für Mütter und Väter (das gilt selbstverständlich auch für gleichgeschlechtliche Paare).
Es gibt viele gute Gründe, eine bessere Aufklärung der Öffentlichkeit zu fordern. Denn das gesellschaftliche Bild von Müttern, Vätern und Elternschaft trägt zur Überforderung und damit auch der Entstehung von psychischen Krankheiten bei.
Es gibt aber auch Faktoren, die in dieser Zeit besonders unterstützend wirken. Ressourcen, auf die wir in der Zeit größerer Anforderungen zurückgreifen können, um uns nicht mutterseelenallein zu fühlen.

Anforderungen vs. Ressourcen

Wir können uns die beiden Faktoren Anforderungen und Ressourcen als die beiden Seiten einer Waage vorstellen. Jede Person bringt eine individuelle Kombination von Gewichten für beide Seiten mit, manche sind spezifisch für die neue Situation andere wiederum beeinflussen unser gesamtes Leben. Hier einige Beispiele:

Anforderungen: Hormonelle Umstellung, Körperliche Veränderungen, Schlafentzug, Haushaltsaufgaben, Job, finanzielle Unsicherheit, Familie lebt weit entfernt, Perfektionismus…
Ressourcen: soziale Unterstützung, stabile Partnerschaft, gesunde Ernährung, erholsames Wochenbett, ausreichend Schlaf, Optimismus, Bewegung…

Eine gewisse Zeit, in der die Anforderungen überwiegen, können wir mit unseren Ressourcen überbrücken. Dann aber müssen wir auch auf dieser Seite wieder etwas “dazulegen”. Eine besonders wichtige Ressource möchte ich heute herausgreifen: die soziale Unterstützung.

Soziale Wesen brauchen soziale Unterstützung

Die soziale Unterstützung ist zentral für unser seelisches Wohlbefinden. Menschen möchten sich in eine soziale Gemeinschaft integriert fühlen. Evolutionär gesehen bot dies viele Vorteile, wie Schutz und Aufgabenteilung. Auch unser Körper reagiert darauf: Berührungen lindern Schmerzen und Stress und sicherlich habt ihr schon von der Wirkung des Hormons Oxytocin gehört. Es wird auch als Bindungshormon bezeichnet und u.a. beim Sex, Kuscheln aber auch bei der Geburt ausgeschüttet. Es fördert die Bindung und wirkt als Gegenspieler zu den Hormonen, die bei starkem Stress ausgeschüttet werden. Studienergebnisse weisen sogar darauf hin, dass eine soziale Isolation für uns genauso tödlich ist, wie der Konsum von Tabak und Alkohol (Holt-Lundstadt, Smith & Layton, 2010).

Das soziale Umfeld übernimmt noch weitere Funktionen: Orientierung, Rat, Austausch und Anregung, praktische Entlastung, Mitgefühl und Anteilnahme…

Wer gehört zu deinem sozialen Umfeld?

All diese Funktionen müssen/können nicht in einer Person vereint sein – die wäre dann schnell ebenfalls überfordert 😉 Aber wir können sie auf verschiedenen Schultern verteilen. Ich möchte dich einladen, mal zu reflektieren:

  • Wer gehört zu deinem sozialen Umfeld? Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen…Mach dir ruhig eine Liste mit allen Personen, die dir einfallen (auch die, die dir nicht besonders nah stehen, dich in keiner Weise unterstützen o.ä. – hier gehts erstmal darum einen Überblick zu bekommen).
  • Wie helfen dir diese Personen? Gibt es einen Mutmacher? Eine Ratgeberin? Eine Handwerkerin oder einen Windelwechsler? Überleg dir gerne deine eigenen Kategorien oder schreib einfach für dich auf, was einige dieser Personen für dich so wertvoll macht.

All diese Personen können also eine wichtige Ressource sein oder werden. Mir ist heute diese Botschaft wichtig: Nutze dein soziales Umfeld und trau dich, aktiv um Hilfe und Unterstützung zu bitten bzw. diese anzunehmen!

Wie sieht es denn bei dir aus?
Halten sich Anforderungen und Ressourcen aktuell die Waage? Was ist deine wichtigste Ressource? Und was oder wer tut dir in deinem sozialen Umfeld besonders gut?

Hinterlass mir gerne deine Gedanken zu diesem Beitrag in einem Kommentar!

Foto: pexels.com

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